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	<title>IBA2010 Blog</title>
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	<description>Internationaler Blog der Bauausstellung Stadtumbau Sachsen-Anhalt 2010</description>
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		<title>Wanzleben experimentiert mit neuer Familienpolitik</title>
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		<pubDate>Fri, 01 Oct 2010 08:13:54 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tina veihelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[ In die Debatte um die Revitalisierung von sozialem Raum bringt die IBA-Stadt Wanzleben ein ungewöhnliches Experiment ein.Schrumpfen von Städten bedeutet nicht nur Leerstand, sondern auch Ausdünnung von Beziehungen. Je weniger Menschen die Stadt nutzen, desto mehr zerreißt das soziale Geﬂecht. &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/10/01/wanzleben-experimentiert-mit-neuer-familienpolitik/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p> In die Debatte um die Revitalisierung von sozialem Raum bringt die IBA-Stadt Wanzleben ein ungewöhnliches Experiment ein.<span id="more-281"></span>Schrumpfen von Städten bedeutet nicht nur Leerstand, sondern auch Ausdünnung von Beziehungen. Je weniger Menschen die Stadt nutzen, desto mehr zerreißt das soziale Geﬂecht. Unübersehbar wird der Verlust, wenn in den Städten die Alten allein bleiben, weil Kinder und Enkel weggezogen sind. Pflege und Betreuung, die bislang Familien trugen, bleiben dann unerfüllt.</p>
<p>Ansätze zur Stabilisierung des sozialen Geflechts erprobt Wanzleben, eine Kleinstadt mit 5.200 Einwohnern in der historisch agrarischen Börde, die ihre Kreisstadtfunktion, Arbeitsplätze und Einwohner verloren hat. (2010 schloss sich Wanzleben mit Seehausen sowie sieben Gemeinden zur neuen Stadt Wanzleben-Börde zusammen.)</p>
<p>Wanzleben hat einen Schrumpfungsprozess zu bewältigen – verfügt aber über soziales Kapital. Als Standort von Pflanzenforschung und Züchtung ist der Anteil an gebildeten und aktiven Bewohnern traditionell hoch. Informelle Strukturen gegenseitiger Hilfe und Kommunikation sind gut und ihre Erosion durch Abwanderung noch nicht weit vorangeschritten. Die Stadt zählt 45 Vereine – von Kulturvereinen über die Volkssolidarität, den Behindertenverband bis hin zum Förderverein der freiwilligen Feuerwehr.</p>
<p>Als eines der IBA-Labore experimentiert Wanzleben mit dem Modell, die ausdünnende städtische Gesellschaft mit einer unkonventionellen, generationenübergreifenden „Familienpolitik“ zu stabilisieren. Dabei geht es weniger um Familien im klassischen Sinne, sondern darum, das System der Familie auf eine moderne städtische Gesellschaft zu übertragen. Soziale Aufgaben werden von Wahlfamilien, Freunden oder der Öffentlichkeit übernommen – mitunter  bürgerschaftlich und informell. Diese nachbarschaftliche Hilfe soll stärker ins Bewusstsein gebracht, ihre Wertschätzung in der Öffentlichkeit gefördert werden.</p>
<p>Wanzleben stellt die Frage, wie eine Stadtöffentlichkeit organisiert sein muss, um Aufgaben der Fürsorge,  Sozialisation und Gemeinschaftlichkeit zu erfüllen.</p>
<p>Einen  Impuls für das öffentliche Gespräch setzte die Stadt mit einer Fotoserie von Menschengruppen, die sich als „Wahlfamilien“ sehen. Anschließend diskutierte man über Themen wie „Verein als Familie“ und „Nachbarn als Familie“. Unter dem Projekttitel „urbane Familienfelder“ begann Wanzleben daran zu arbeiten, das Thema „Stadt als Familie“ in den Mittelpunkt des Interesses zu rücken.</p>
<p>Seit 2009 gibt es das Wanzlebener „Familienbündnis“ als Verbund der Vereine und informell engagierten Bürger. Es trat mit den Fragen an: Wie übernehmen wir gemeinsam Aufgaben der Sorge, die von der Kommune nicht mehr gewährleistet werden? Wie pflegen wir Gemeinschaft und erhöhen Lebensqualität?</p>
<p>Ziel ist, bestehende Angebote publik zu machen und fehlende zu ergänzen. Dazu gehören bildende und unterhaltende Veranstaltungen ebenso wie soziale Leistungen. Veranstaltungen wie eine „Familienmesse“ und „Familientage“ gaben den lokalen Vereinen Gelegenheit, sich zu präsentieren. Ein anderes Thema war die Organisation von Schultransporten. Um das Miteinander an Schulen zu stärken, erreichte das Bündnis, dass die Sekundarschule Wanzleben für alle Schüler eine gemeinsame Mittagspause einrichtete. Aktionen wie das „Kino im Park“, Floßbau oder ein Seifenkistenrennen beleben das Interesse an städtischer Öffentlichkeit.</p>
<p>Der Ansatz der Stadt Wanzleben ist deshalb beachtenswert, weil er Schrumpfung als soziale Herausforderung als IBA-Thema wählte. Zentral sind dabei die Lebendigkeit des sozialen Raums und die Übernahme von sorgenden Aufgaben. Gefragt wird auch, ob der Gedanke der Familie als „Zelle“ der Gemeinschaft in schrumpfenden Gesellschaftsgefügen problemlos aufrecht erhalten werden kann – oder ob es angesichts der Herausforderungen nicht gerade einer Neudefinition bedarf.</p>
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		<title>Rückzug aus dem öffentlichen Raum?</title>
		<link>http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/09/17/ruckzug-aus-dem-offentlichen-raum/</link>
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		<pubDate>Fri, 17 Sep 2010 10:29:38 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tina veihelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Müsste nicht eigentlich der Rückzug der Ostdeutschen aus dem öffentlichen Raum Thema einer IBA Sachsen-Anhalt sein? So fragt die Autorin Tina Veihelmann.   Die IBA Sachsen Anhalt zeigt beispielhaft Szenarien, wie international Städte mit dem Problem der Schrumpfung umgehen können – denn Schrumpfungsprozesse &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/09/17/ruckzug-aus-dem-offentlichen-raum/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Müsste nicht eigentlich der Rückzug der Ostdeutschen aus dem öffentlichen Raum Thema einer IBA Sachsen-Anhalt sein? So fragt die Autorin Tina Veihelmann. <span id="more-277"></span></p>
<p> Die IBA Sachsen Anhalt zeigt beispielhaft Szenarien, wie international Städte mit dem Problem der Schrumpfung umgehen können – denn Schrumpfungsprozesse erwarten uns global. Es geht – natürlich – um überregional anwendbare Strategien, diese zu lenken und zu gestalten. Schrumpfung hat viele Aspekte. Nicht alle betreffen den Rückzug aus der Öffentlichkeit. Aber: Der Rückgang öffentlichen Lebens ist originär mit dem Thema Schrumpfen verbunden.</p>
<p>Schrumpfung heißt Rückzug aus dem öffentlichen Raum. Öffentlicher Raum &#8211; verstanden als Sphäre, in der sich Subjekte selbstbewusst zeigen und in der man sich begegnet. Damit verbunden ist auch ein Rückzug aus dem öffentlichen Raum &#8211; verstanden als politischer Raum für Engagement, das alle betrifft. Eine dünne Besiedlung in einer Region wäre an sich unschuldig. Wer meint, das Szenario allein mit weniger Menschen, ergo Ausdünnung der Beziehungen beschreiben zu können, erfasst nicht die Dimension des Problems.</p>
<p>Entscheidend ist nicht der Ist-Zustand, sondern die Richtung, in die sich die Dinge bewegen. Es geht um die Abwertung des eigenen Bereichs und des eigenen Hintergrunds, eine Deklassierung derer, die dort aufwachsen und leben, und ihren Rückzug als Folge.</p>
<p>Auch das beschriebe ein nicht ost-spezifisches Problem, sondern eines, das generell schrumpfende, abgehängte Gemeinwesen betrifft, ob in Deutschland, Russland oder den USA.</p>
<p>Ein ostspezifisches Problem in schrumpfenden Städten ist die Überlagerung zweier negativer Dynamiken. Die oben beschriebene – und die Deklassierung und sozialen Exklusion der Ostdeutschen auf dem eigenen Terrain. Der Soziologe Raj Kollmorgen wies darauf hin (Süddeutsche Zeitung, Magazin 30, 2010), dass im Osten etwa dreißig Prozent der Elite – verstanden als ranghohe Entscheidungsträger in Politik, Wirtschaft, Justiz, Wissenschaft, Verwaltung und Medien – aus dem Osten stammen, bei einem ostdeutschen Bevölkerungsanteil von annähernd 95 Prozent. In den ostdeutschen Bundesländern sitzen 18 westdeutsche Minister in den Kabinetten. Keins der DAX-Unternehmen wird von Ostdeutschen geleitet. 95 Prozent der Professuren in den Geistes- und Sozialwissenschaften sind – auch an ostdeutschen Universitäten – von Westdeutschen besetzt. Keine öffentlich rechtliche Rundfunkanstalt hat einen ostdeutschen Intendanten, auch nicht der MDR, keine überregionale Tageszeitung, kein großes Magazin wird von einem ostdeutschen Chefredakteur geleitet. Zwanzig Jahre nach der Wende, meint Kollmorgen, kann dieser Tatbestand nicht mehr allein mit nicht passenden Qualifikationen erklärt werden, sondern mit dem Umstand, dass Eliten dazu neigen, sich selbst zu reproduzieren.</p>
<p>Wer über ostdeutsche schrumpfende Städte spricht, kann über ihre Revitalisierung schwerlich sprechen, wenn dieser Umstand ausgeblendet wird. Wer nicht beteiligt ist an Unternehmen, Medien, etc. wird sich auch nicht im öffentlichen Raum engagieren.</p>
<p>Insofern stellt sich die Frage, ob die IBA für die Bewohner der Städte gedacht ist – dann käme man an dem Thema nicht vorbei – oder in erster Linie für ein internationales Publikum, das mit dem Thema Schrumpfen möglicherweise noch wenig vertraut ist, und mit dem Thema „Ostdeutsche“ vermutlich noch weit weniger. Bei früheren wegweisenden IBAs – der Berliner IBA Behutsame Stadterneuerung beispielsweise, wurde der Erfolg der Unternehmung durchaus an beidem gemessen. An<em> </em>der spezifischen<em> </em>lokalen Wirkung <em>und </em>an der internationalen Rezeption.</p>
<p>Ein Problem an der Thematisierung ist neben der Angst, ins Regionale abzugleiten, sicherlich, dass sich das Stigma des Jammer-Ossis, das den Ostdeutschen anhaftet, auch auf all jene überträgt, die sich mit dem Thema befassen. Der Eindruck, man könne außen dem Konstatieren der Sachlage wenig tun, hängt möglicherweise mit diesem Vorurteil zusammen. Dabei könnte man sicherlich etwas tun. Man könnte von Strategien lernen, die anderen Zusammenhängen entwickelt wurden, um Diskriminierungsprobleme zu lösen. Quoten sind ein umstrittenes Instrument, haben aber schon (wenigstens etwas) dazu beigetragen, sich selbst reproduzierende Eliten aufzubrechen. Im Rahmen einer IBA sind diese Probleme ganz sicher nicht lösbar. Allerdings hätte man eine Kommunikation darüber anregen können - so, wie im Rahmen der IBA Sachsen Anhalt viele Werkzeuge angewandt wurden, die in erster Linie darauf abzielen, nachhaltig Kommunikationsräume zu schaffen und Themen wie bürgerschaftliches Engagement und lokale Demokratie zu stärken.<em> </em></p>
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		<title>Dessau, Ende der Saison</title>
		<link>http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/09/15/dessau-ende-der-saison/</link>
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		<pubDate>Wed, 15 Sep 2010 07:37:44 +0000</pubDate>
		<dc:creator>tina veihelmann</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Herbst taucht Dessau in Nieselregen und macht deutlich, dass die Saison zu Ende ist. Eine schrumpfende Stadt, eine der IBA-Städte. Die roten Wimpel am „Roten Faden“ stehen aufrecht im Nebel. In den Bürgergärten welkt der Salat. Vor kurzem packte &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/09/15/dessau-ende-der-saison/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Herbst taucht Dessau in Nieselregen und macht deutlich, dass die Saison zu Ende ist. Eine schrumpfende Stadt, eine der IBA-Städte. Die roten Wimpel am „Roten Faden“ stehen aufrecht im Nebel. In den Bürgergärten welkt der Salat. Vor kurzem packte „Jugend baut Zukunft“, eine Sommerschule der Bauhausstiftung, ihre Zelte wieder ein. In Erinnerung sind eine noch sommerliche Amazonasbar und die Rede eines selbsternannten Dessauer Bürgermeisters, der sein Programm ausrief – eine School of Love, Knödel für Dessau. Für Stunden gute Stimmung, fast ein bisschen Aufbruch.<span id="more-265"></span></p>
<p>Was wäre ein Zwischenresümee der Projekte, Aktionen, homöopathischen Reizungen am Ende einer Saison?</p>
<p>Die IBA wurde – als das umfassendste Programm am Patienten schrumpfende Stadt –vielfach kommentiert. Aufgeworfen wurde die Frage, ob das Thema Schrumpfen mit der Ausstellung und den Projekten in den IBA-Städten ausreichend ins Bewusstsein gebracht worden sei. Kritik wurde geäußert, dass sehr viel Stadtmarketing betrieben wurde, das an allen Orten zu jeder Zeit praktiziert werden könne – und zu wenige Konzepte entstanden seien, die sich originär dem Schrumpfen von Städten widmen. Es wurde die interessante Frage in den Raum gestellt, ob der Umgang mit dem Schrumpfen nicht auch eine Frage von Akzeptanz sei. Schließlich würde eine extrem dünne Besiedlung etwa in ländlichen Regionen Schwedens nicht als Störfall wahrgenommen, sondern man finde dort pragmatische Lösungen – wie beispielsweise die medizinische Versorgung vonstatten gehen kann. Warum überhaupt die Beschreibung des Vorgangs als Katastrophe? Ist die Wahrnehmung von Schrumpfung nicht eine Frage der Perspektive?</p>
<p>Blickt man, die Beiträge und die Kritiken im Ohr, auf Dessau zum Ende der Saison, geht man über den Markt und durch die Straßen ringsum, schieben sich die Dessauer ins Bild; Einwohner, Einkäufer, Stadtwanderer. Wer durch Dessau wandert, den übermannt dieses <em>Dessau-Gefühl</em>. Das nicht nur ein Dessau-Gefühl ist, sondern auch ein Frankfurt/Oder-Gefühl oder ein Zeitz-Gefühl oder ein Gera-Gefühl. Erzeugt, durch zu leere, zu weite Straßen – und noch etwas anderes, das in der Luft liegt. Eine Stimmung, ein Ausdruck in den Gesichtern der Übriggebliebenen, eine Abschottung und ein Trotz, eine Abwehr.</p>
<p>Schrumpfen, das drängt sich auf, ist nicht nur ein städtebauliches Sujet, eine ökonomische Frage, ein Problem der Infrastruktur und Versorgung, sondern auch eine soziale Frage. Und – mithin ganz entscheidend – eine Frage der Perspektive. Schrumpfen ist ein Problem von Deklassierung. Und in diesem Zusammenhang ein ost-spezifisches Problem. Kein gefühltes, sondern ein echtes, nachweisbares Problem, das ostdeutsche Städte und Regionen betrifft. Dass inzwischen nur noch fünf Prozent der deutschen Elite – auch in ostdeutschen Städten selbst – aus dem Osten kommen, merkt man in diesen Städten. Dass qua struktureller Fehler im Vereinigungsprozess ein ganzer Teil des Landes bislang scheinbar unumkehrbar abgehängt worden ist, ist hier nicht zu übersehen. Dass es zwanzig Jahre nach dem Mauerfall im vereinigten Deutschland ein in Zahlen belegbares Diskriminierungsproblem gibt – weil man das Versagen nicht der Vereinigungspolitik, sondern den Ostdeutschen anlastet – spürt man hier. </p>
<p>Gemessen daran, war es selten Thema &#8211; sowohl in der IBA selbst als auch in den Debatten um die IBA. Vielleicht wird dieses Thema umschifft, weil man seine Erwähnung für wenig zielführend hält: Was soll man <em>heute</em> tun, wenn vor zwanzig Jahren Weichen falsch gestellt wurden? Eine abgeschlossene Treuhandpolitik, eine überstürzte Währungsunion kann man im Nachhinein nicht mehr umjustieren. Vielleicht aber muss man von den Erfahrungen lernen, die auf anderen Feldern mit Diskriminierungsproblemen gesammelt wurden. Vielleicht muss man Quoten in den Führungsetagen in Firmen vor Ort einrichten – wie etwa im Solar Valley in Bitterfeld/Wolfen. Oder in den ostdeutschen Tageszeitungen, Rundfunkanstalten.</p>
<p>Teilhabe ist Voraussetzung für Demokratie und öffentliches Leben. Wenn Teilhabe an der politischen und ökonomischen Führung selbst <em>in</em> ostdeutschen Städten nicht gegeben ist, ist die Folge jener Rückzug aus der res publica, die emotionale Verrammelung.</p>
<p>Die IBA hat dieses Thema – obwohl es um sachsen-anhaltinische Mittelstädte geht – weitgehend außen vor gelassen. Das ist sicher ein Versäumnis. Denn sie widmete sich durchaus dem Thema des Verödens oder, positiv formuliert, der Wiederaneignung öffentlichen Raums. Da wären etwa die Bürgergärten in Dessau, die Claims, die Picknicks in Halberstadt, die Stimulierung der Wahlfamilien in Wanzleben, das Bürgerhaus in Naumburg. In ostdeutschen Städten aber müsste man dem Rückzug aus der Öffentlichkeit auf einer anderen, tieferen Ebene entgegen wirken.  </p>
<p>Interessant ist, dass die Jugendlichen des Workshops „Atlantis now“ der Dessauer Sommerschule naiv und intuitiv auf die kommunikative Verbarrikadierung  und auf die mangelnde Teilhabe reagierten, indem sie einen Jugendlichen den Bürgermeisterposterposten übernehmen ließen, der sich für eine Dessau School of Love einsetzt – in der man wieder lernen soll, wie man ein Gespräch beginnt. Eine homöopathische Reizung, ein Sommerabend.</p>
<p>Sie sollen nicht klein geredet werden. Weder die Aktionen noch die Projekte, und ganz und gar nicht die städtebaulichen Strategien für schrumpfende Städte, von denen zu wünschen wäre, dass sie keine Eintagsfliegen dieser IBA-Präsentation werden, sondern tatsächlich langfristige Leitbilder, nach denen sich Städte wie Dessau und Aschersleben entwickeln. Aber es soll auf einen blinden Flecken hingewiesen werden &#8211; den es vermutlich länger geben wird als die IBA-Saison.</p>
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		<title>Der neue, weite Blick auf Dessau</title>
		<link>http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/08/20/der-neue-weite-blick-auf-dessau/</link>
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		<pubDate>Fri, 20 Aug 2010 20:15:33 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[19 Städte]]></category>
		<category><![CDATA[Freiraum]]></category>
		<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Per Rad die Stadt entdecken: Dessau-Rosslau lädt zur Tour entlang des &#8220;Roten Fadens&#8221; ein, des neuen Grünzugs mitten durch die Stadt: Hier können Interessierte die Verwirklichung des Stadtkonzeptes &#8220;Urbane Kerne und landschaftliche Zonen&#8221; sehen, unter anderem mit Aufstieg auf den &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/08/20/der-neue-weite-blick-auf-dessau/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Per Rad die Stadt entdecken: Dessau-Rosslau lädt zur Tour entlang des &#8220;Roten Fadens&#8221; ein, des neuen Grünzugs mitten durch die Stadt: Hier können Interessierte die Verwirklichung des Stadtkonzeptes &#8220;Urbane Kerne und landschaftliche Zonen&#8221; sehen, unter anderem mit Aufstieg auf den Alten Räucherturm, von dem aus man einen großartigen Blick über die Stadt hat. Nächste Termine: 17. September, 1. Oktober.<br />
Treffpunkt: Mobilitätszentrale am Hauptbahnhof Dessau, Fritz-Hesse-Straße 47, Infotelefon: (0340) 21 33 66</p>
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		<title>Startup auf dem Land</title>
		<link>http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/07/28/symposium-in-stendal-am-2-september/</link>
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		<pubDate>Wed, 28 Jul 2010 10:58:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Raumpioniere berichten über neue Modelle der Daseinsvorsorge   Von der medizinischen Versorgung über Schulbildung, Angebote aus Kunst und Kultur bis hin zur Abwasserentsorgung – Im Rahmen eines Symposiums am 2. September in der Hansestadt Stendal berichten Raumpioniere aus dem In- &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/07/28/symposium-in-stendal-am-2-september/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p style="text-align: left;"><strong>Raumpioniere berichten über neue Modelle der Daseinsvorsorge </strong> </p>
<p>Von der medizinischen Versorgung über Schulbildung, Angebote aus Kunst und Kultur bis hin zur Abwasserentsorgung – Im Rahmen eines Symposiums am 2. September in der Hansestadt Stendal berichten Raumpioniere aus dem In- und Ausland von ihren exemplarischen Projekten und praktischen Erfahrungen, wie sie in dünn besiedelten Regionen die Daseinsvorsorge anders gestalten oder gleich selbst in die Hand nehmen.  <span id="more-247"></span></p>
<p><strong></strong> Alternativen der Daseinsvorsorge für ländliche Regionen mit Abwanderungsproblemen stehen im Mittelpunkt eines Symposiums am Donnerstag, dem 2. September 2010 in der Hansestadt Stendal. Die IBA Stadtumbau 2010 in Sachsen-Anhalt hat erstmals Raumpioniere eingeladen, um ihre Ideen und bereits bewährten Projekte vorzustellen. Unter dem Titel „Service light – Raumpioniere in schrumpfenden Regionen“ beschäftigt sich die ganztägige Veranstaltung mit der Frage, ob in den Bereichen technische Versorgung, Mobilität, Gesundheit, Bildung und Kultur neue, andere Standards gesetzt werden können. Dabei geht es um einen Modernisierungsprozess, der das Wenigerwerden akzeptiert und darauf angemessen reagiert. Denn Lebensqualität hängt längst nicht mehr von einer Zunahme der Einwohnerzahlen und wachsender Infrastruktur ab, sondern von neuen Ideen für das Serviceangebot schrumpfender Regionen.</p>
<p>Das Symposium möchte Raumpionieren, die sich in dünn besiedelten Regionen engagieren, ein Podium bieten und mit ihnen neue Wege der Daseinsvorsorge diskutieren, die durch Schrumpfung notwendig werden. So wird sich beispielsweise das Europäische Zentrum für erneuerbare Energie (EEE) aus dem österreichischen Güssing präsentieren, das mit Partnern aus ganz Europa nachhaltige, regionale Konzepte zur Nutzung erneuerbarer Energieträger entwickelt. Das Beispiel der Freien Dorfschule Wallmow in Brandenburg wird zeigen, wie auch mit deutlich weniger Schülern als bisher gewohnt eine Ganztagsschule organisiert werden kann. Eine Gemeindeschwester berichtet über Patientenbetreuung per Hausbesuch, durch die die weniger werdenden Hausärzte entlastet und der ärztlichen Unterversorgung ländlicher Räume entgegengetreten wird.</p>
<p>Wie sich die Lage in Sachsen-Anhalt darstellt, erläutert der zuständige Staatssekretär im Ministerium für Landesentwicklung und Verkehr des Landes Sachsen-Anhalt, André Schröder. Abgerundet wird das Symposium durch einen Vortrag zum Thema „Selbstverantwortungsräume“ von Jürgen Aring, Professor für Stadt- und Regionalplanung an der Universität Kassel.</p>
<p><em>Die Teilnahme am Symposium ist kostenlos. Wir bitten um Anmeldung bis zum 15. August 2010 unter <a>info@iba-stadtumbau.de</a>. Rückfragen unter 0340 / 65 08 207. </em> </p>
<p><em>                                                                                                                                </em> </p>
<p><strong>Pressekontakt:</strong> Maren Franzke, presse@iba-stadtumbau.de, 0340-6508-458</p>
<p style="text-align: left;"> </p>
]]></content:encoded>
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		</item>
		<item>
		<title>&#8220;Weniger ist Zukunft&#8221;</title>
		<link>http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/07/21/weniger-ist-zukunft/</link>
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		<pubDate>Wed, 21 Jul 2010 12:23:16 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>
		<category><![CDATA[Stadtumbau]]></category>
		<category><![CDATA[Ökonomie]]></category>
		<category><![CDATA[europäische Ebene]]></category>
		<category><![CDATA[perforierte Stadt]]></category>

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		<description><![CDATA[Was bedeutet urbane Schrumpfung im europäischen Kontext? Ein Beitrag von Robert Kaltenbrunner Anfang April wurde in Sachsen-Anhalt die Internationale Bauausstellung 2010 – mehr oder minder feierlich – eröffnet. Beteiligt sind 19 Städte, die sich seit dem Startsignal 2002 nach und &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/07/21/weniger-ist-zukunft/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><strong>Was bedeutet urbane Schrumpfung im europäischen Kontext? </strong></p>
<p><strong>Ein Beitrag von Robert Kaltenbrunner</strong></p>
<h3>Anfang April wurde in Sachsen-Anhalt die Internationale Bauausstellung 2010 – mehr oder minder feierlich – eröffnet. Beteiligt sind 19 Städte, die sich seit dem Startsignal 2002 nach und nach unter diesem anspruchsvollen Signet versammelten. Wobei man das Akronym IBA wohl eher als eine Art &#8216;Markensehnsucht&#8217; interpretieren muss, denn weder geht es im Sachsen-Anhaltinischen richtig international zu, noch darf man auf eine architektonische Ikonographie hoffen, wie sie eigentlich solchen Anlässen inhärent ist. Die IBA Stadtumbau 2010 stellt hingegen eine Projekt- und Strategieorganisation dar, die für die absterbenden Klein- und Mittelstädte auf der Basis regionaler Ressourcen ein eigenständiges Profil entwickelt.<span id="more-226"></span></h3>
<p>Was auch immer man an einzelnen Ansätzen in Aschersleben oder Quedlinburg, in Stendal, Magdeburg und Sangerhausen, in Eisleben, Merseburg oder Wittenberg, in Halberstadt, Weißenfels, Dessau und Naumburg verfolgte: Subsummiert wurde es schließlich unter dem paradox anmutenden Leitmotiv &#8220;Weniger ist Zukunft&#8221;. Über die jeweiligen lokalen Konzepte ist zwischenzeitlich in vielen Medien berichtet worden. Hier indes soll die Versuchsanordnung gleichsam aus der Ferne betrachtet und auf ihre gesellschaftlichen Implikationen hin abgeklopft werden.</p>
<p>Unser historisches Verhältnis zur Stadt, so befand der Philosoph Boris Groys vor einiger Zeit, sei vom utopischen Traum nach vollständiger Vernünftigkeit, Übersichtlichkeit und Kontrollierbarkeit der eigenen Umwelt geprägt. Zwar sind Anspruch und Wirklichkeit selten einmal deckungsgleich. Aber angesichts dessen, dass schrumpfende, perforierte und stückweise brachfallende Städte in den neuen Bundesländern zu einem Normalfall der Stadtentwicklung zu werden drohen, muten solche Erwartungen tatsächlich utopisch an.</p>
<p>Zumal die Herausforderung, vor der die betroffenen Städte stehen, sich nicht auf die Formel &#8220;Bevölkerungsrückgang gleich Leerstand gleich Abriss&#8221; verkürzen lässt. Denn jener Sog – ausgehend von wirtschaftlicher Strukturschwäche und fehlenden Arbeits- und Ausbildungsplätzen, Wegzüge von Jüngeren und Qualifizierten, Leerstand von Wohnungen, zunehmende Armut und Überalterung, sinkende Steuereinnahmen bei steigenden Ausgaben für die soziale Sicherung, schlechtes Image und ausbleibende Investitionsbereitschaft, somit Verstärkung der wirtschaftlichen Strukturschwäche – erzeugt insgesamt ein Abwärtsspirale, die als strukturelle Schrumpfung alle städtischen Lebensprozesse erfaßt. Das aushalten zu können, ohne seine Identität zu verlieren, wird zur zentralen Forderung an den Stadtumbau.</p>
<p>Wäre Prophylaxe in der Politik wichtiger als Reaktion, dann ließen sich daraus auf europäischer Ebene viele Lehren ziehen. Indes, langsam nur sickert die Botschaft ins Bewußtsein: Planung kann heute nicht mehr nur Wachstumsüberschüsse verteilen, sondern muss sich auch mit der Verschärfung von Verteilungskonflikten auseinandersetzen. Bezüglich der Neuansiedlung von Unternehmen und Privathaushalten wächst die Konkurrenz zwischen Ländern, Regionen und Gemeinden. Die Niederlassung an einer Stelle führt jedoch unweigerlich zu Wegzug, Leerstand und Brachfallen an einer anderen. Etwaige Gewinner hier generieren Verlierer dort.</p>
<p>Die klassische Standortpolitik, stark auf staatlichen Subventionen basierend, ist fragwürdig geworden – zumindest, sofern sie darunter allein die Privatisierung industrieller Kerne, den Abriss vermeintlich veralteter Strukturen und die Ausweisung von Neusiedlungsquantitäten versteht. Freilich liegt eine gewisse Paradoxie in dem Umstand, dass die globalen Maßstäbe immer dominanter als Koordinaten für das lokale Handeln werden, und zugleich die kommunalen und individuellen Spielräume immer kleiner.</p>
<p>Doch nach wie vor werden die Konsequenzen der Schrumpfung unterschätzt. Sie lassen sich eben nicht auf eine Frage von Gebäudeabriss oder Quartiersaufwertung (namentlich in Plattenbausiedlungen) reduzieren &#8211; wie es die bisherige Debatte in der Regel tut -, sondern rührt an der Substanz einer auf Wachstum und Fortschritt geeichten Gesellschaft. Vergleichbare Lebensverhältnisse, wie sie das Grundgesetz vorschreibt, werden zunehmend unerreichbar und räumliche Disparitäten sich zwangsläufig verstärken. In Deutschland wie in Europa.</p>
<p>Idealiter hat sich die Auffassung durchgesetzt, dass Städte nicht mehr &#8220;mit dem Kompass&#8221; geplant werden können. Womit die Ausrichtung auf mehr oder weniger unveränderliche physikalische Bedingungen, die Festlegung einer mehr oder weniger unveränderlichen Stadtstruktur desavouiert ist. Dessen ungeachtet strebt Stadtplanung (noch) immer danach, prognostizierten Entwicklungen mit neuen, möglichst weitsichtig angelegten Mauern gleichsam &#8220;vorzubauen&#8221;. Heute geht es eher – oder zugleich – darum, &#8220;rückzubauen&#8221;. Dafür aber existiert kein Rezept.</p>
<p>Es wird immer Situationen geben, in denen ein Stadtbereich von Grund auf neu geplant und geordnet werden muss – und andere, in denen man weitgehende Erhaltung anstreben wird. In jedem Einzelfalle also müssen Prioritäten geklärt, Ziele formuliert werden: Beispielsweise können geschichtliche Substanz und Gestalt in einen gewissen Widerspruch zur wirtschaftlichen und funktionellen Lebensfähigkeit des Viertels geraten, was indes nicht kongruent sein muss mit einer Verbesserung von Lebens- und Umweltqualität für die Bewohner.</p>
<p>Die Abwägung und Zielformulierung ist stets auch eine Wertentscheidung, und für die als nachrangig eingestuften Werte müssen dann meist Opfer in Kauf genommen werden. Dabei handelt es sich immer um subjektive Wertungen, die durch keine Kosten-Nutzen-Analyse ersetzt werden kann. In der öffentlichen Planung geht es also um kollektive Werturteile, die sich letzten Endes in politischen Entscheidungen niederschlagen. Noch jedoch gibt es keine gemeinsamen Maßstäbe für den Stadtumbau in Europa.</p>
<p>Stets ist für den Stadtumbau das Finden der angemessenen Nutzung von zentraler Bedeutung. Sie hängt eng zusammen mit den auf das Gebiet einwirkenden Wirtschaftskräften: Einerseits kann zu viel Druck, der nach mehr Ladenfläche, Parkplätzen, Liefermöglichkeiten verlangt, das Gefüge leicht sprengen; andererseits führt zu geringe Wirtschaftskraft zum Schwinden jener Erträge, aus denen die Erhaltung der Substanz finanziert werden kann, und damit zum Verfall.</p>
<p>Zukunftsstrategien dürfen sich nicht auf kleinteilige Reparaturen beschränken; ebenso wenig wie sie sich bloß auf die Wohnfunktion beziehen können, denn der Leerstand von Wohnraum ist nur ein Niederschlag gesellschaftlicher und wirtschaftlicher Trends. Es wird eine Vielzahl von kleinen Projekten und Maßnahmen sein, die diesen Weg markieren. Gleichwohl sind diese einzubetten in eine gesamtstädtische Strategie – und sei es die eines perspektivischen Inkrementalismus. Denn die neue Herausforderung, den Um- und Rückbau zu steuern, betrifft die Maßstabsebene der Region ebenso wie die kleinteiligen städtischen Nachbarschaften. Zum Teil bedingen sich beide Prozesse wie in einem atmenden Organismus.</p>
<p><strong>Die perforierte Stadt</strong></p>
<p>Was heißt das in Bezug auf den europäischen Kontext? Zunächst einmal – bei aller Dramatik der Situation in manchen Städten – wäre für eine gewisse Gelassenheit zu plädieren. Zeigt doch ein Blick auf die Entwicklung städtebaulicher Grundgedanken in unserem Jahrhundert, dass wir es mit einer ständigen Veränderung von Schwerpunkten und Wertmaßstäben zu tun haben: Heute hui, morgen pfui. Ein großer Teil der Wandlungen stammt dabei aus der Ermüdung am vorher Gängigen. Meinungsbildung im Städtebau vollzieht sich in Pendelschwüngen.</p>
<p>Neue Gedanken, im Ansatz durchaus fruchtbar, werden modisch aufgemacht, mit überhöhten Erwartungen befrachtet – und schnell verworfen, wenn sie eben diese Erwartungen nicht erfüllen. Es besteht kein Anlass zu der Vermutung, dass solche Wandlungen sich nicht fortsetzen. Und so wird auch die Einschätzung von städtebaulicher Angemessenheit wahrscheinlich in Zukunft ähnlichen Veränderungen unterworfen sein, wie wir sie bisher schon erlebt haben.</p>
<p>Wenn es in der Europäischen Union ein städtebauliches Leitbild gibt, dann ist es das von der &#8220;sustainable city&#8221; – hinreichend unspezifisch, um allseits akzeptiert zu sein. Die Kosten-Nutzen-Relation für Infrastruktur und Flächeninanspruchnahme spielt dabei eine wichtige Rolle. Dass Innen- vor Außenentwicklung gehe, ist demzufolge ein der heutigen Stadtentwicklungspolitik tief eingewobener Leitsatz, der seine grundlegende Angemessenheit und Gültigkeit behält, auch wenn es von Fall zu Fall angebracht ist, davon abzuweichen. In diesem Sinne, und um eine Beispiel zu nennen, mag die &#8220;perforierte Stadt&#8221; zwar kaum ein geeignetes Leitbild abgeben, wohl aber kann sie eine temporär angemessene Strategie für die Schulterung des Umbruchs darstellen – insbesondere, wenn mit Instrumenten wie Gestattungsverträgen überlieferte Baurechte nicht außer Kraft gesetzt, sondern eben nur den konkreten Bedingungen angemessene &#8220;Zwischennutzungen&#8221; autorisiert werden.</p>
<p>Es ist dies eine offene Option auf die Zukunft, die zumindest nichts &#8220;verbaut&#8221;. Just diese Erfahrungen und Lerneffekte, die sich im &#8220;Instrumentenkasten&#8221; und den rechtlichen Rahmenbedingungen des Städtebaus niederschlagen, könnten sukzessive auf die europäische Ebene transponiert werden. Hier sei lediglich auf die integrierten Stadtentwicklungskonzepte hingewiesen, die dem Stadtumbau Ost den einzelfallbezogenen Rahmen geben.</p>
<p>Allerdings wäre dabei die Relativität bisheriger Städte(bau)politik realistisch einzuschätzen. Ist es doch ein Mythos, dass raumrelevante Entscheidungen einzig durch städtebauliche Leitvorstellungen, stadtplanerische Instrumente oder architektonische Eingriffe getroffen werden. Viele Politikbereiche wirken auf die Stadt ein und prägen ihre Entwicklung meist weit nachhaltiger, als es die (Städte)Baupolitik vermag. So sind großflächige Einzelhandelszentren nicht das Ergebnis städtebaulicher Einsichten, sondern steuerrechtlicher Mechanismen.</p>
<p>Die Innenstädte in ihrer Monotonie oder Attraktivität werden durch Gewerberecht eher beeinflusst als durch städtebauliche Akzente. Die Banalität des Warenangebotes ist Ergebnis der zunehmenden Filialisierung der örtlichen Ladenlokale vor dem Hintergrund der Konzentrationsprozesse im Einzelhandel – das immergleiche Angebot der Filialisten spricht in ganz Europa dieselbe Sprache.</p>
<p>Zudem muss man sehen, dass bislang, und nicht nur beim Stadtumbau, die Idee des gesellschaftlichen Fortschritts viel zu stark an die Semantik neuer urbaner Layouts geknüpft und die Eigendynamik gewachsener Milieus negiert wurde. Dabei gilt es, Alt und Neu gemeinsam in ihr Recht zu setzten, in einer Synthese auf der Basis einer fallweisen Filterung. Gerade weil es heute mehr denn je um das Problem der &#8216;bestehenden Stadt&#8217; – und nicht um ihre Neuerfindung – geht, sind Lösungen nur möglich, wenn man sich nicht nur um die Dinge kümmert, die zu konsolidieren und zu retten sind, sondern auch um die Demolierungen, Veränderungen und neuen Verwendungsmöglichkeiten.</p>
<p>Woran es, in Europa wohl mehr als hierzulande, mangelt, das ist eine neue Geist- und Werthaltung bezüglich des postindustriellen Urbanismus. Vor allen Programmen steht die Einsicht: Der Umbau unserer Städte verlangt zuvorderst einen Umbau in den Köpfen. Geht es doch nicht bloß um Renovation, sondern auch um Rückbau von Stadt – bis hin zu Rückgabe von Siedlungsfläche.</p>
<p>Man sollte vor diesem Begriff nicht zurückschrecken. So ist etwa im Bergbaurecht diese Konsequenz systematisch verankert. Die Renaturierung ausgebeuteter Abbaugebiete ist selbstverständlicher Bestandteil der wirtschaftlichen Betätigung von Bergwerksunternehmen. Auch beim Getränkepfand oder bei der Altautoregelung sind Steuerungsinstrumente etabliert, die vor Jahren noch für politisch undenkbar und nicht realitätstauglich gehalten wurden. Sollten Regelungen dieser Art nicht auch auf die Stadtentwicklungspolitik übertragbar sein? Könnte dies nicht gar – Stichwort Nachhaltigkeit – bevorzugter Gegenstand für eine EU-Initiative sein?</p>
<p><strong>Nach der Stadterweiterung kommt der Stadtumbau</strong></p>
<p>Das Phänomen der Schrumpfung, d.h. massiver Bevölkerungsrückgang und anhaltende wirtschaftliche Probleme bei nachlassender kommunaler Steuerungsfähigkeit, wird zunehmend mehr Städten seinen Stempel aufdrücken, in Mittelengland genauso wie im Mezzogiorno. Mit bloß kurzfristigen und unterkomplexen Planungen, mit illusorischen Wachstumshoffnungen wird dem nicht beizukommen sein. Vielmehr gilt es, eine neue Sensibilität dafür zu wecken, dass die großen Herausforderungen der städtischen Zukunft zum einen ehrlich benannt und zum anderen bewältigt werden müssen, indem man diese Aufgaben auch &#8220;institutionalisiert&#8221;: Es braucht also Institutionen auf kommunaler Ebene, die Langfristigkeit und Zukunftsorientierung sicherstellen. Genauso aber braucht es im vereinten Europa professionelle Ansprechpartner.</p>
<p>Sicherlich, auf europäischer Ebene hat das Thema noch längst nicht die Aufmerksamkeit und Anerkennung erfahren, die ihm gebührt. Neben den hinlänglich bekannten mentalen Barrieren mag dies auch an der &#8216;Gleichzeitigkeit des Ungleichzeitigen&#8217; liegen. Viele europäische Städte boomen, und sind demzufolge damit beschäftigt, ihre Wachstumsprobleme zu bewältigen. In Spaniens Metropolen etwa steht eine massive Stadterweiterung &#8211; genährt durch die bislang ungesättigte Nachfrage nach Wohneigentum – nach wie vor auf der Tagesordnung.</p>
<p>Als institutioneller Fördertatbestand steht der Stadtumbau bislang nicht auf der Prioritätenliste der einschlägigen EU-Programme. Dennoch, ob nun in Manchester oder Mulhouse, ist Schrumpfung präsent, und auch in Malmö oder Catania ist sie nicht ganz fremd. Für viele Städte und Regionen Europas mögen die Erfahrungen und strategischen Ansätze der jüngeren ostdeutschen Vergangenheit durchaus hilfreich sein; stellen sie doch im internationalen Kontext eine Art Pionierleistung dar. Unter Umständen könnte (Stadt)UMBAU gar zu einem festen Begriff in einer globalisierten lingua franca werden – so wie es etwa &#8216;Zeitgeist&#8217; und &#8216;Kindergarten&#8217;, &#8216;Gestalt&#8217; oder &#8216;Leitmotiv&#8217; als deutsche Ausdrücke im Englischen längst sind. Und was vermag einen solchen Ideentransfer sinnfälliger zu illustrieren?</p>
<p><strong>Telepolis</strong> Artikel-URL: <a href="http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32916/1.html">http://www.heise.de/tp/r4/artikel/32/32916/1.html</a></p>
<p>Copyright © Heise Zeitschriften Verlag</p>
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		<title>Shrinking Cities? Öde Dörfer!</title>
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		<pubDate>Thu, 15 Jul 2010 01:16:32 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Gefunden auf cultWorxcom &#8211; leben im weltkulturerbe quedlinburg Landflucht? Stadtflucht? Flucht überall. Auch zwischen Kassel und Göttingen wächst der Leerstand. Die Frankfurter Allgemeine war in dieser ländlichen Region unterwegs: „Die rasante Verödung ganzer Landstriche ist nicht nur ein ostdeutsches Phänomen.” &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/07/15/shrinking-cities-ode-dorfer/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Gefunden auf cultWorxcom &#8211; leben im weltkulturerbe quedlinburg<span id="more-211"></span></p>
<p>Landflucht? Stadtflucht? Flucht überall. Auch zwischen Kassel und Göttingen wächst der Leerstand. Die <a href="http://www.faz.net/s/Rub8E0FC0CD826A4ACA80504FD9153A70F2/Doc~EFECAC6DFC67645E0A1F522ECFAF2231E~ATpl~Ecommon~Scontent.html"><strong>Frankfurter Allgemeine</strong></a> war in dieser ländlichen Region unterwegs: „Die rasante Verödung ganzer Landstriche ist nicht nur ein ostdeutsches Phänomen.” Die Erkenntnisse über lokale Katastrophen und Planungsfehler klingen nicht gerade sensationell: „Die großen Verbrauchermärkte, die Sparkasse und kleinere Läden sind an den Ortsrand gezogen.” Und was passiert mittendrin? „Dort steht seit geraumer Zeit der ’Ratskeller’ leer. Er zählt zu jenen Häusern, die das Stadtbild maßgeblich prägen. Der Besitzer hatte es vor einigen Jahren modernisiert und in mehrere Wohneinheiten aufgeteilt, ohne auf den Erhalt des ursprünglichen Erscheinungsbilds Rücksicht zu nehmen.”</p>
<p>Merke: Wo engstirnige Eigentümer, honorarnotgeile Architekten und ungebildete Politiker sich austoben, wächst anschließend viel Gras. Wie eben im südlichen Niedersachsen und in Nordhessen.</p>
<p> Zurück nach Sachsen-Anhalt: Das Projekt „Shrinking Cities” war ja wohl nichts anderes als die pure Resignation. Feigheit vor dem Feind. Verbrämte Selbstaufgabe. Pseudoschlau dank angelsächsischer Headline und horror vacui für Arme.</p>
<p> Wie aber ist Leerstand zu erhalten und zu füllen? Wie wird aus Leerstand Wohlstand?</p>
<p>Darüber sollten wir hier einmal sprechen.</p>
<p><a href="http://www.cultworx.com/?p=6004">http://www.cultworx.com/?p=6004</a><!--more--></p>
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		<title>Die IBA brachte eine intelligente Anlagestrategie in die Stadtumbau-Fördergelder</title>
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		<pubDate>Wed, 07 Jul 2010 12:59:02 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Wo werden unsere Kinder wohnen? Der Trend geht zurück in die Großstädte, denen die Generation der Eltern und Großeltern gern den Rücken gekehrt hatte. Ihr Lebenswunschmodell mit Haus im grünen Vorort hat angesichts steigender Mobilitätskosten und einer veränderten Arbeitswelt, die &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/07/07/die-iba-brachte-eine-intelligente-anlagestrategie-in-die-stadtumbau-fordergelder/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Wo werden unsere Kinder wohnen? Der Trend geht zurück in die Großstädte, denen die Generation der Eltern und Großeltern gern den Rücken gekehrt hatte. Ihr Lebenswunschmodell mit Haus im grünen Vorort hat angesichts steigender Mobilitätskosten und einer veränderten Arbeitswelt, die ihre besten Jobs und Karrierechancen in den internationalen Metropolen bietet, für immer weniger junge Menschen Zukunft.</p>
<p><span id="more-203"></span>Während Städte wie München noch weiter wachsen, stehen bereits heute die kleineren Städte als Verlierer der neuen Wanderungsbewegung da, die weniger (gut bezahlte) Arbeitsplätze und weniger Zerstreuung in der Freizeit bieten, wo kein Flugzeug landet und kaum noch ein Zug hält.</p>
<p>Dennoch wird es immer Menschen geben, die lieber in einer Provinzstadt ihr Leben planen,  sei es wegen der besseren Überschaubarkeit, der vertrauten Nachbarschaft &#8211; oder einfach nur, weil es ihr Heimatort ist. Das hat viel mit Geborgenheit zu tun, einer in der Großstadt oft vermissten Lebensqualität. Eben darin liegt die Chance der kleineren Städte: Wo ich mich wohlfühle, lebe und bleibe ich gern. Aber nur dann.</p>
<p>Und genau das ist das große gesellschaftliche Thema der IBA Stadtumbau 2010.  Das ist Sachsen-Anhalts bisher vielleicht gewichtigster Beitrag zur Zukunftsdiskussion in Deutschland, und anders als das Lamento über Geburtenmüdigkeit, steigende Rentenbeiträge oder über den Bankrott des Sozialstaats zeigt er Lösungsansätze. </p>
<p>Vor acht Jahren wurde die Landesregierung bundesweit belächelt, als sie die IBA auf den Plan hob. Zu diesem Zeitpunkt war der Leerstand in ostdeutschen Städten nicht mehr zu übersehen und drohte Wohnungsunternehmen in den Bankrott zu reißen. Unbewohnte Häuser bedeuten nicht nur Mietausfälle. Wenn das kommunale Netz an Wasser-, Abwasser-, Stromleitungen für immer weniger Haushalte vorgehalten werden muss, dann explodieren unweigerlich die Betriebskosten.</p>
<p>Unbemerkt hatte sich der chronische Wohnungsmangel der DDR in ein Überangebot gekehrt, nachdem unter der Fördermitteldroge auch die kleinste Kommune einem exzessiven Bau-Rausch verfallen war. Doch die Abwanderung konnte das nicht verhindern, denn die Arbeitsplätze gab es „im Westen“. Leerstand und Schrumpfung also ein ostdeutsches Problem? Zunächst. Aber inzwischen holt es immer mehr Städte in den alten Bundesländern und europaweit ein.</p>
<p>Mit dem Förderprogramm „Stadtumbau Ost“ hat die Bundesregierung ab dem Jahr 2002 einen Versuch unternommen, die unheilvolle Entwicklung zu beherrschen. Die Verbindung von Rückbau und Aufwertung sollte die Innenstädte stärken, was zunächst auf geförderten Abriss hinaus lief. Doch wenn man nur Lücken ins Stadtbild reißt, bleibt die soziale Erosion erkennbar, das Gefühl von Verlust und Rudimentärem – das Gegenteil von Wohlfühlen. Stadtumbau in sich entleerenden Städten muss deshalb so erfolgen, dass für die bleibenden Bewohner das öffentliche Leben weiter pulsiert.</p>
<p>Dieser ganzheitliche Ansatz macht die IBA aus, die Sachsen-Anhalt dem Stadtumbauprogramm Ost im Jahr 2002 als „Sondereinheit“  zur Seite stellte, wie es IBA-Architektin Sonja Beeck einmal formulierte. Man kann auch sagen, die IBA hat in das vorhandene Fördergeld die intelligente Anlagestrategie gebracht. Natürlich lag es nahe, die Stiftung Bauhaus Dessau zu beauftragen. Die frühere Hochschule für Gestaltung war 1925 aus Weimar nach Dessau umgezogen und wirkte hier, bis die Nationalsozialisten die Ideenschmiede der klassischen Architektur-Moderne auch von hier vertrieben.</p>
<p>(erschienen am 8. März 2010, Magdeburger Volksstimme)</p>
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		<title>&#8220;Entdecke die Le re&#8221;</title>
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		<pubDate>Tue, 06 Jul 2010 10:19:37 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>

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		<description><![CDATA[Der Autor und Architekturkritiker Günter Kowa hat die IBA-Städte besucht und berichtet in der &#8220;Mitteldeutschen Zeitung&#8221; (MZ) über seine Eindrücke und Erlebnisse. Mehr dazu unter http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&#38;atype=Page&#38;aid=1269840467257&#38;openMenu=1013016724285]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p>Der Autor und Architekturkritiker Günter Kowa hat die IBA-Städte besucht und berichtet in der &#8220;Mitteldeutschen Zeitung&#8221; (MZ) über seine Eindrücke und Erlebnisse.</p>
<p>Mehr dazu unter <a href="http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&amp;atype=Page&amp;aid=1269840467257&amp;openMenu=1013016724285">http://www.mz-web.de/servlet/ContentServer?pagename=ksta/page&amp;atype=Page&amp;aid=1269840467257&amp;openMenu=1013016724285</a></p>
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		<title>Und wie weiter?</title>
		<link>http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/06/22/und-wie-weiter/</link>
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		<pubDate>Tue, 22 Jun 2010 02:03:29 +0000</pubDate>
		<dc:creator>Ulrike Steglich</dc:creator>
				<category><![CDATA[19 Städte]]></category>
		<category><![CDATA[IBA Stadtumbau 2010]]></category>
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		<description><![CDATA[Der IBA mangelt es am Mut zu wirklich radikalen Experimenten in der Auseinandersetzung mit den völlig neuen Schrumpfungsprozessen &#8211; das schreibt der Architekturkritiker Wolfgang Kil in einem Beitrag für den IBA-Katalog. „Der gegenwärtige internationale Prozess des Schrumpfens der Städte stellt &#8230; <a href="http://blog.iba-stadtumbau.de/2010/06/22/und-wie-weiter/" class="more-link">Weiterlesen <span class="meta-nav">&#8594;</span></a>]]></description>
			<content:encoded><![CDATA[<p><em><img class="size-medium wp-image-145 alignnone" title="Stassfurt. Die neue Mitte." src="http://blog.iba-stadtumbau.de/wp-content/uploads/2010/06/Stassfurt_2008-Maerz_Die-neue-Mitte_001_Foto-Doreen-Ritzau11-300x191.jpg" alt="" width="495" height="315" /></em></p>
<p>Der IBA mangelt es am Mut zu wirklich radikalen Experimenten in der Auseinandersetzung mit den völlig neuen Schrumpfungsprozessen &#8211; das schreibt der Architekturkritiker Wolfgang Kil in einem Beitrag für den IBA-Katalog.<span id="more-136"></span></p>
<p>„Der gegenwärtige internationale Prozess des Schrumpfens der Städte stellt radikal die Geschäftsgrundlage der traditionellen Disziplinen der Architektur und Stadtplanung in Frage.“ Mit dieser Feststellung hatte die Jury des Wettbewerbs „Schrumpfende Städte – Die Stadt neu denken“ 2005 ihren Abschlussbericht eingeleitet. Man muss die ganze Tragweite dieses Satzes auf sich wirken lassen, um für die daraus folgenden Ratlosigkeiten gewappnet zu sein. In schrumpfenden, verarmenden, vergreisenden Regionen, diesen neuen, dem fundamentalen Strukturwandel geschuldeten „inneren Peripherien“, kann es – auch nach zehn Jahren Stadtumbau-Praxis in Ostdeutschland – noch längst nicht um rezeptartige Antworten gehen. Noch immer befinden wir uns in der Phase des Erfassens konkreter Zustände, aus denen Fragen formuliert werden müssen: Worin besteht das Problem eigentlich? Wer ist von Fall zu Fall zuständig? Liegt es am Geld? An den Strukturen? An der Ästhetik?</p>
<p>Egal, wie die Antworten ausfallen: für das Planungsgeschehen sind die Folgen krass. Sobald es nämlich darum geht, nicht irgendwo etwas hinzuzufügen, sondern etwas wegzunehmen, müssen sich Planer und Gestalter von traditionellen Handlungsroutinen verabschieden.</p>
<p>Hauptmotiv für die <em>IBA Stadtumbau</em> war die seit der Jahrtausendwende wachsende Einsicht, dass den von massiven Schrumpfungsprozessen betroffenen Städten Ostdeutschlands mit den herkömmlichen Instrumentarien eines auf Wachstumssteuerung ausgerichteten Planungsdenkens nicht zu helfen sein würde. Ausnahmslos alle Akteure in der Stadt- und Regionalentwicklung mussten sich in neuen Bezugssystemen – ausgelöst von Nachfrageschwund, Raumüberschuss und daraus folgendem Immobilien-Wertverfall – zurechtfinden. Die zentrale Herausforderung dieser IBA bestand darin, für diese völlig neuen Handlungsfelder positive Beispiele zu finden und zu kommunizieren.</p>
<p>Haben zehn Jahre IBA-Geschehen nun geholfen, das Erfahrungsdefizit abzubauen? Sind die IBA-Städte, wie es im ursprünglichen Konzept für Eisleben so programmatisch hieß, jetzt nicht einfach nur „kleiner“, sondern auch „klüger“ geworden?</p>
<p>Natürlich muss jeder der 19 Teilnehmerstädte an medialer Aufmerksamkeit gelegen sein, denn die dominierende These und zentrale Antriebsidee dieser IBA – das Finden und Fördern lokaler Images – führt jedes einzelne Stadtprojekt am Schluss zwangsläufig in das Rampenlicht möglichst großer Öffentlichkeit. Dort wird dann gefeiert, was griffige Bilder verspricht. Bilder, die trösten, auch in der Misere noch Mut machen und die den so beliebten wie scheinheiligen Slogan von der „Krise als Chance“ untermauern. Publizistisch verbreitet und gefeiert wird so genau die Verweigerung der tatsächlich bevorstehenden Konsequenzen aus dem Paradigmenwechsel, den uns der Epochenbruch aufzwingen wird. Schrumpfungsstrategien bedürfen aber entschieden radikalerer Experimente, die alle gängigen Muster und Modelle bisheriger Modernisierung infrage stellen.</p>
<p>Auch verschrobene Projektideen wie der „Trainingspfad des Sehens“ in Halberstadt sollten nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Gesamtprogramm dieser IBA auf Konsens gebaut war – was nicht überraschen darf, solange die Veranstalter auf die Kooperationsbereitschaft der beteiligten Kommunen angewiesen sind. Einen geradezu klassischen Fall solcher Verzagtheit gegenüber radikaleren Strategien lieferte die Stadt Köthen, deren Einstiegsmotto „Stadt zum Wohlfühlen“, noch dazu auf Grundlage einer stark expandierenden Infrastruktur der Altenpflege, eigentlich einen Weg hin zum Modell einer „Slow City“ nahe gelegt hätte. Doch die Furcht, den vermeintlich negativ konnotierten Begriff der „Langsamkeit“ in der Bevölkerung nicht vermitteln zu können, ließ einen zufälligen Historienfakt – Köthen gilt als Erfindungsort der Homöopathie – zum ganz traditionell gedachten Aufmerksamkeitsmotiv avancieren. Was den Wittenbergern ihr Luther, Melanchthon oder Cranach, sollte den Köthenern eben ihr Samuel Hahnemann sein. Und wie weiter?</p>
<p>Ein vergleichbares Schicksal ereilte Eisleben, das ursprünglich unter dem Slogan „Kleiner – klüger – kooperativ“ nach Lösungen für das Problem der stadträumlichen Perforation suchte. Was sich anfangs als experimenteller Erfindungs- und Aushandlungsprozess weitgehend im Verborgenen abspielte, trat schließlich in Gestalt attraktiv umfriedeter Brachen und „roter Türen“ als Einladung zu bürgerschaftlichem Engagement poetisch ins Licht öffentlicher Aufmerksamkeit. Um diesen Erfolg einer planerischen Innovation ist es dann allerdings unverdient still geworden. Mit der Eröffnung der (enorm attraktiven) Neubauten rund um das Luther-Geburtshaus samt dem dazu entwickelten Luther-Erlebnispfad rückte auch für Eisleben ein touristisches Konzept in den Vordergrund.</p>
<p>Auch jene Städte, die sich wie Wittenberg, Naumburg oder Bernburg durch Gründung und Stärkung von Bildungsstandorten Profilierung versprechen, müssen sehr darauf achten, dass ihre „pädagogischen Alleinstellungsmerkmale“ nicht auf reines Stadtmarketing zurückgestutzt werden. Die Besonderheit einer „wachstumsfernen“ Experimentalregion gegenüber den anderen, traditionellen IBAs mit ihren Stararchitekten und teuren Renommierspektakeln, gerät so aus dem Blick. Gegen diese Attraktionsfalle haben die Dessauer Veranstalter sich nicht genügend gewehrt.</p>
<p>Ob die Städte nun wohl zu gefragten Exkursionszielen für Planerverbände oder Rathausdelegationen aus vergleichbar betroffenen Regionen oder gar aus der internationalen Expertencommunity werden? Einigen Städten kann man solche Aufmerksamkeit vorhersagen, anderen möchte man sie dringend wünschen, damit wenigstens noch im Nachhinein aus den zu kurz gesteckten Zielen ein Nutzen gezogen werden kann.</p>
<p>Die Fusion der Städte Bitterfeld und Wolfen stellt den Versuch dar, anstelle des Prinzips der Standortkonkurrenz gemeinsames Heil einmal im Gegenteil, in der regionalen Kooperation, zu suchen – ein Experiment, das für eine ständig steigende Zahl anderer „Schrumpfungskandidaten“ von größtem Interesse sein dürfte.</p>
<p>Am weitesten wagt sich das „Stadtinsel-Projekt“ von Dessau-Roßlau über alle Gewissheiten herkömmlicher Stadtplanung hinaus, indem es Perforation als legitimen Entwicklungspfad mit eigenen Formen und Qualitäten akzeptiert. Auf den neuen städtischen Grünzügen lässt sich wohl am plausibelsten jene grundstürzende Einsicht nachvollziehen, dass auch das Leitbild der Europäischen Stadt bei ausbleibendem Wachstum an seine Grenzen stößt. Gemessen am Erwartungshorizont dieser IBA wird man Dessau-Roßlau den Rang eines experimentellen Stadtlabors am ehesten zubilligen können.</p>
<p>Leider hat Halle, das seinem Einstiegsthema „Balanceakt Doppelstadt“ im Laufe der Jahre selbst immer weniger zu vertrauen schien, die riesige Chance vertan, ein ganz zentrales Problem gesamteuropäischer Stadtentwicklung – die Integration und Normalisierung einer klassischen Neustadt der Moderne – unter den unwiederholbar günstigen IBA-Bedingungen zu bearbeiten und mit Vorzeigeresultaten zu bereichern. Auch Aschersleben hatte sich mit einer klugen Analyse seiner Ausgangslage für kreative Planungsschritte bei der Verkleinerung seines längst zu großen Stadtkörpers empfohlen, dann aber im Projektverlauf  lieber auf das publicityträchtige Spektakel der „Drive-Thru-Gallery“ gesetzt, als nach einer tatsächlich tragfähigen und stadtverträglichen Lösung für eine Horrorstraße zu suchen, in der bei heutigem Verkehrsaufkommen (und noch dazu ohne Wohnungsnot) garantiert kein Mensch mehr wohnen will.</p>
<p>Ohne hier jeder der 19 IBA-Städte einen bewertenden Kommentar zu widmen, soll doch abschließend jener eine Fall erwähnt werden, an dem die radikalste aller Schrumpfungskonsequenzen wenigstens als Denkmodell und Szenario hätte durchgespielt werden können: Staßfurt und das Verschwinden seiner Ortsmitte. Wohl in keiner der IBA-Städte war die Bevölkerung mit dem Thema ganz konkreten Heimatverlustes nachdrücklicher konfrontiert als hier, wo kein unvertrautes demografisches Neuzeit-Phänomen, sondern eine jahrhundertealte regionale Bergbautradition die Stadt ausgerechnet in ihrem Kernbereich so zerstört hat. Dieser Ausgangslage Themen wie „Erinnerung“, „Landschaft“ oder „Bergbauschäden-Kompetenz“ abzugewinnen, lag nahe, hätte aber wohl im Interesse der gesamten IBA-Idee noch weiter getrieben werden können. Wenn nun der Staßfurter Bürgermeister sich rings um den neugeschaffenen Innenstadtsee lauter Stadtvillen ersehnt, damit „dieser Ort wieder ein Zentrum urbanen Lebens“ wird, dann fragt man sich, woher er solche Leitbildvisionen bezieht und warum ein IBA-Team sich mit derlei Träumen widerspruchslos zufrieden gibt.</p>
<p>Der Mut der Initiatoren, sich gerade in einer besonders betroffenen Region der praktischen Auseinandersetzung mit den weithin noch immer als unbeherrschbar geltenden Schrumpfungsphänomenen zu stellen, ließ aufhorchen und weckte Erwartungen. Umso mehr muss es als das große, ja tragische Versäumnis des zehnjährigen Experiments erscheinen, dass diese IBA nur in so wenigen Fällen ein Bewusstsein für das existenzielle Drama ihrer Austragungsorte entwickelte. Schrumpfungsprozesse derart flächendeckender Dimension sollten doch den von vielen Planergenerationen verdrängten Umstand in Erinnerung rufen, dass Städte weder ein aus Pietät zu bewahrendes Erbe unserer Vorfahren, noch Sehnsuchtsorte irgendwelcher Wohlfühlqualitäten sind. Städte, Dörfer, Siedlungssysteme waren und sind stets sozial-räumliche Ausformungen von ökonomischen Verhältnissen, und so wie letztere sind auch jene Geografien, die uns vorübergehend „Heimat“ heißen, gravierenden historischen Wandlungen unterworfen.</p>
<p>(…) Keine einfache Konjunkturflaute, kein revidierbarer Wettbewerbsnachteil setzt die 19 IBA-Städte Sachsen-Anhalts unter Druck. Die Analyse der demografischen Entleerung der Altmark etwa beschreibt den zu erwartenden Trend doch geradezu handgreiflich. Weil die ökonomisch bedingte Neustrukturierung ganzer Kulturlandschaften ein epochal umwälzender Vorgang ist, glauben kritischere Analysten nicht mehr an die Wirksamkeit althergebrachter Instrumente, sondern rufen nach dem Sprung in andere Systeme. Am klarsten hat wohl Klaus Ronneberger den fundamentalen Wandel auf den Begriff gebracht: „Der Kapitalismus erzeugt eine geografische Landschaft, die für eine gewisse Zeit dem jeweiligen Entwicklungsmodell entspricht, um sie dann im nächsten Zyklus zu zerstören.“ Nicht über einen Katastrophen-Film à la Hollywood hatte der Frankfurter Soziologe da geschrieben, sondern über Vorgänge im uns bevorstehenden Jahrhundert, die in Sachsen-Anhalt teilweise schon die Gegenwart prägen. Wenigstens einen leichten Schauder angesichts dieser Perspektive hätten die Erfinder des IBA-Programms an sich (und uns) ruhig heranlassen können.</p>
<p>Wolfgang Kil</p>
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