Nicht nur Städte, auch der ländliche Raum mit Kleinstädten und Dörfern verliert Einwohner. So hat die Altmark, eine der am dünnsten besiedelten und gleichzeitig strukturschwächsten Regionen der Bundesrepublik, in den ersten 15 Jahren nach der Wende 13 Prozent ihrer Einwohner verloren. Wo liegen die Zukunftsperspektiven solcher Regionen? Wie gestaltet man künftig die Daseinsvorsorge, wie kann man eine nachhaltige Gestaltung dieser Kulturlandschaft steuern? – Dirk Michaelis, Leiter des Bauordnungsamtes im Landkreis Stendal, entwirft im Folgenden einige strategische Gedanken zur Siedlungsentwicklung im ländlichen Raum.
Bedingt durch den demografischen Wandel und die anhaltende Abwanderung, kommt es in der Altmark zu erheblichen Bevölkerungsrückgängen. Insbesondere der östliche Teil, also der Landkreis Stendal, hat dabei harte Einschnitte hinzunehmen. Ausgehend von 1990, wird er bis 2025 knapp 40 Prozent seiner Einwohner verloren haben. Im Landkreis Salzwedel wird es ca. ein Viertel sein. Auch aus diesen Gründen weist das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung den Landkreis Stendal als einen „Stabilisierungsraum“ aus.
Betrachtet man den Rückgang noch detaillierter, kommt man in einigen Städten des Landkreises Stendal auf einen Schwund um fast die Hälfte seit 1990. Damit liegt der Bevölkerungsrückgang der zentralen Orte im ländlichen Raum Altmark teilweise sehr deutlich über dem Kreisdurchschnitt.
Aufgrund der Zufälligkeit der Entleerung entstehen zunehmend stark perforierte städtebauliche Strukturen, wobei besonders die Kerne der Kleinstädte von dieser Entwicklung betroffen sind. Diese unaufhaltsam voranschreitende Erosion führt perspektivisch zu weiteren Funktionsverlusten, Unternutzung, Leerstand, Wertverlust und Verfall von Gebäuden, zu Beeinträchtigungen des Wohnumfeldes und damit langfristig zu einer Gefährdung der baukulturellen Werte. Damit geht auch die Einschränkung der touristischen Attraktivität einher, eines wesentlichen Eckpfeilers erfolgreicher Regionalentwicklung.
Selbstverständlich betrifft diese Erosion auch die Dörfer, wobei die dort überwiegende offene Bauweise solche Einschnitte aber besser verkraftet.
Parallel entwickeln sich im gesamten Raum Probleme durch Unterauslastung der stadttechnischen und sozialen Infrastruktur. Aus ökonomischer Sicht entsteht eine sehr kostenintensive Siedlungslandschaft, die den Staat und damit den Bürger mit steigenden Fixkosten belastet. Die bisherigen städtebaulichen, denkmalpflegerischen und räumlichen Zielstellungen lassen sich vor diesem Hintergrund schon jetzt und erst recht perspektivisch kaum noch umsetzen. Leere öffentliche Kassen verschärfen diese Situation noch.
Aber gerade die Klein- und Mittelstädte mit ihren baukulturell wertvollen Stadtkernen sind die Ankerpunkte der Region, Träger der Daseinsvorsorge und verkörpern den prägenden Rahmen der Kulturlandschaft Altmark. Von den insgesamt 15 Städten werden zwölf im Regionalen Entwicklungsplan Altmark als regional bedeutsame Standorte für Kultur und Denkmalpflege aufgeführt. Davon sind allein neun Stadtkerne als Flächendenkmal ausgewiesen, wovon wiederum sechs – Stendal, Salzwedel, Gardelegen, Tangermünde, Havelberg und Werben – von erheblicher bundesweiter Bedeutung sind.
Das Versagen der bisherigen, wachstumsorientierten Strategien und Instrumente wird schon jetzt in den strukturschwachen Räumen deutlich sichtbar. Darüber hinaus wirft die weitere Entwicklung in diesen Regionen eine Reihe gesellschaftlicher Grundsatzfragen auf. Der Ruf nach Handwerkszeug für eine Steuerung der „Schrumpfung“ wird immer lauter.
Ein erstes Instrument war das Programm „Stadtumbau -Ost“ – ein noch lernendes Programm. Die größeren Städte der Altmark sind dabei auch mit langsam sichtbarem Erfolg tätig. Der Leitgedanke des seit 2002 praktizierten Stadtumbaus „Rückbau am Rand und Aufwertung im Kern“ kann aber nur dort gelingen, wo am Rand auch rückgebaut werden kann.
Typisches Beispiel hierfür sind die Kleinstädte im ländlichen Raum, wo diese Möglichkeit kaum bzw. gar nicht vorhanden ist. Die Praktiker sind sich insofern darin einig, dass das Problem der Kleinstädte im Stadtumbau noch ungelöst ist. Zunehmend wird bereits der Standpunkt vertreten, dass diese Thematik auf regionaler Ebene verhandelt werden müsste und ein regionalisierten Strukturprogramm notwendig sei.
Ein Laufenlassen des Prozesses kann nicht der richtige Weg sein. Der gesamte „Werkzeugkasten“ muss letztlich für jeden Stadttyp, auch regional anwendbar sein.
Bauminister Karl-Heinz Daehre formulierte im Oktober 2007, es sei an der Zeit, „Konzepte zu entwickeln, mit denen ohne staatliche Verordnung eine Umsiedlung vom Rand in die Innenstadt erfolgen“ könne.
Die Altmark, speziell der Landkreis Stendal, sieht in dieser Strategie den einzigen gangbaren Weg, die unabwendbare Schrumpfung in eine echte Chance zu überführen.
Die IBA soll ein städtebauliches Entwicklungslabor sein, in dem neue Ideen entwickelt werden. Die aktuelle Diskussion um die Zukunft der strukturschwachen Räume, der Kleinstädte und um die erkannte Förderlücke spricht auch für den richtigen Zeitpunkt. Sollte nach der IBA vielleicht sogar eine „REGIONALE – Altmark“ folgen?
Es wird ein IBA-Nachfolgeprojekt geben ( IBA plus+ ?) das sich in jedem Fall flankierend mit der kernigen Altmark beschäftigen wird.
Wenn der EU-Antrag Sachsen-Anhalts von Erfolg gekrönt würde, europäische Referenz-Region für den konstruktiven Umgang mit Schrumpfungeregionen zu werden, dann bekämen wir größtmögliche Unterstützung.
Das wichtigste Potential sind kreative Köpfe; und die besitzen wir !
Ich freue mich auf weiterführende Ideen-Börsen, um das Szenario der “kernigen Altmark” zu verfeinern und mit viel Leben zu füllen !